In diesem Artikel
- Dortmund: eine sehr gute Bundesliga-Saison, ein kürzerer Auftritt in Europa
- Manchester United: Aufschwung in der Liga, ohne Europapokal
- Die Marke in den Zahlen
- Die Merchandising-Posten im Detail
- Geografie: Keiner der beiden Vereine gliedert die Erlöse nach Märkten
- Was sich mitnehmen lässt
- Quellen und Methode
Borussia Dortmund beendete die Bundesliga-Saison auf Platz 2, und der Umsatz sank um 12,5 Prozent. Manchester United kletterte von Platz 15 auf Platz 3, der Umsatz erreichte einen Rekordwert, und der Nettoverlust vergrößerte sich. In beiden Fällen zeigt die Zahl in der Schlagzeile nur einen Teil des Bildes: Erlöse aus europäischen Wettbewerben, Einmalkosten, Währungseffekte und zeitliche Verschiebungen erklären vieles. Zwei Details beim Merchandising-Umsatz fallen auf. Dortmund verkaufte mehr Ware und verdiente weniger. Bei United besteht mehr als die Hälfte dessen, was als Retail und Merchandising ausgewiesen wird, dem Anschein nach aus Zahlungen des Ausrüsters, der Rest aus Shops, Merchandise und Produktlizenzen.
Dortmund: eine sehr gute Bundesliga-Saison, ein kürzerer Auftritt in Europa
Der Bericht des Vereins bezeichnet 2025/26 als ambivalent, sportlich wie wirtschaftlich. Dortmund belegte mit 73 Punkten Platz 2 und qualifizierte sich zum elften Mal in Folge direkt für die Champions League der nächsten Saison. In der Champions League selbst beendete das Team die Ligaphase auf Platz 17 und schied in den Play-offs zur K.-o.-Runde aus, ein Jahr nach dem Einzug ins Viertelfinale.
Der Umsatz sank von 526,0 auf 460,5 Millionen Euro, zum größten Teil wegen der TV-Erlöse, die um 58,8 Millionen Euro zurückgingen. Davon entfielen 31,4 Millionen Euro auf die Champions League; den Großteil des Rests machten übrige internationale Erlöse aus, darunter die FIFA-Klub-WM, die laut Bericht über zwei Geschäftsjahre hinweg stattfand. Die Werbeerlöse entwickelten sich gegenläufig, getragen von neuen und höherwertigen Sponsoringverträgen, und das Transferergebnis (der Gewinn aus Spielerverkäufen) stieg um 21,4 Millionen Euro. Unter dem Strich wurde aus einem Gewinn von 6,5 Millionen Euro ein Verlust von 21,7 Millionen Euro. Der Bericht bringt das mit den geplanten, aber ausgebliebenen Erlösen aus der Champions League in Verbindung.
Manchester United: Aufschwung in der Liga, ohne Europapokal
United kletterte von Platz 15 in der Saison 2024/25 auf Platz 3 in der Saison 2025/26. Im Jahr zuvor stand das Team im Finale der Europa League. In dieser Saison bestritt es keine europäischen Spiele. Die Zahl der Heimspiele sank von 30 auf 20: sieben weniger in Europa und drei weniger in den englischen Pokalwettbewerben.
Der Umsatz erreichte mit 677,6 Millionen britischen Pfund einen Rekordwert, ein Plus von 1,7 Prozent. Die Medienerlöse stiegen laut Mitteilung dank des Tabellenplatzes, obwohl europäische Spiele fehlten: Die Erlöse aus nationalen Wettbewerben legten um 58,9 Millionen Pfund zu, die aus europäischen Wettbewerben sanken um 25,0 Millionen Pfund. Die Spieltagserlöse gingen wegen der geringeren Zahl an Heimspielen um 6,8 Millionen Pfund zurück. Die kommerziellen Erlöse sanken um 16,0 Millionen Pfund.
Das Betriebsergebnis (vor Finanzergebnis und Steuern) drehte von einem Verlust von 18,4 Millionen Pfund in einen Gewinn von 22,6 Millionen Pfund. Der Gewinn aus Spielerverkäufen veränderte sich kaum (46,9 gegenüber 48,7 Millionen Pfund) und erklärt die Verbesserung deshalb nicht. Den größten Teil erklären niedrigere Einmalkosten, vor allem für Umstrukturierung und Trainerwechsel: Sie sanken um 28,4 Millionen Pfund, bei einer Verbesserung von insgesamt rund 41 Millionen Pfund (eigene Berechnung).
Der Nettoverlust vergrößerte sich dennoch von 33,0 auf 43,0 Millionen Pfund, weil der Nettofinanzaufwand von 21,2 auf 69,6 Millionen Pfund zunahm. Die Mitteilung begründet das überwiegend mit Währungseffekten: United ist in US-Dollar verschuldet, und ein nicht realisierter, nicht zahlungswirksamer Verlust aus Wechselkursänderungen löste in diesem Jahr einen Gewinn des Vorjahres ab.
Beide Vereine erwarten im nächsten Jahr steigende Umsätze; bei United enthält die Prognose die Rückkehr in die Champions League.
Die Marke in den Zahlen
Die Stärke einer Marke lässt sich an den Zahlen eines einzelnen Jahres schwer ablesen, weil kommerzielle Erlöse weitgehend auf Verträgen beruhen. Bei United sanken die kommerziellen Erlöse in einer Saison, die auf Platz 3 endete: Das Sponsoring ging um 27,9 Millionen Pfund zurück. Die Mitteilungen begründen das mit Vertragswechseln und mit einer Tour nach Saisonende, die wegen der Weltmeisterschaft der Männer nicht möglich war. Bei Dortmund stiegen die Werbeerlöse um 2,8 Prozent, obwohl Prämien aus der Champions League fehlten, und die Mitgliederzahl wuchs um 5,8 Prozent auf 243.236. Die Football Money League von Deloitte, im Januar erschienen, betrachtet 2024/25, die Saison mit Platz 15, und führt United in der Umsatzrangliste auf Platz 8, vier Plätze tiefer als ein Jahr zuvor.
Die Merchandising-Posten im Detail
Merchandising wirkt bei einem Verein klein und beim anderen groß, doch die beiden Umsatzposten umfassen Unterschiedliches. Dortmunds Posten deckt verkaufte Fanartikel und vergebene Lizenzen ab. Er machte 8,4 Prozent des Umsatzes aus; der Vertrag mit dem Ausrüster Puma läuft bis 2034 und wird unter den Werbeerlösen verbucht. Uniteds Posten bündelt Retail, Merchandising, Bekleidung und Produktlizenzen: 156,8 Millionen Pfund oder 23,1 Prozent des Umsatzes.
Der Posten von United wirkt auf den ersten Blick wie überwiegend Shop-Umsatz. Der Jahresbericht legt etwas anderes nahe. Er zeigt, dass die kommerziellen Erlöse nur aus zwei Posten bestehen, dem Sponsoring und dem Retail-Posten, und gibt an, dass das Sponsoring den Vertrag mit Adidas nicht enthält. Die Erlöse mit Adidas, dem zweitgrößten Kunden mit 12,7 Prozent des Gesamtumsatzes (rund 86 Millionen Pfund), scheinen deshalb in diesem Posten verbucht zu sein. Das wäre mehr als die Hälfte des Postens. Für Shops, Merchandise und Produktlizenzen blieben dann rund 71 Millionen Pfund, etwa 10 Prozent des Umsatzes und damit ein ähnlicher Anteil wie bei Dortmund (eigene Berechnungen).
Dortmund: mehr Ware verkauft, weniger Geld verdient
Der Merchandising-Umsatz sank um 3,4 Prozent auf 38,7 Millionen Euro, obwohl der Bericht von einem höheren Absatzvolumen spricht. Als Gründe nennt der Bericht das frühe Ausscheiden aus den Pokalwettbewerben, das weniger Spiele und weniger Sichtbarkeit für das „Cup-Trikot“ brachte. Das neue Heimtrikot kam im August 2025 auf den Markt; das bedeutete rund drei Monate weniger Verkaufszeit als im Vorjahr und einen höheren Anteil preisreduzierter Trikotverkäufe. Trotzdem lagen die Erlöse laut Bericht auf dem Niveau früherer, sportlich erfolgreicherer Jahre, gestützt auf ein gutes Weihnachtsgeschäft und eine erneute Sondertrikot-Aktion.
Der Abschluss zeigt, wie es dazu kam. Der Wareneinsatz der Merchandising-Gesellschaft, einschließlich Abwertungen auf Vorräte, stieg um 15 Prozent, während der Wert des Warenbestands von 8,8 auf 7,6 Millionen Euro sank. Mehr Ware verließ das Lager, und ein größerer Teil der Trikots ging zu reduzierten Preisen weg. Die Gesellschaft erzielte weiterhin einen Gewinn von 5,4 Millionen Euro, nach 6,7 Millionen Euro im Vorjahr. Der Bericht betont, dass die Erlöse stets an die sportliche Entwicklung gekoppelt sind und dass der Verein auch für 2026/27 ambitionierte Ziele im Merchandising verfolgt.
United: vier Quartale, ein großes
Quartal für Quartal zeigt das Jahreswachstum von 8,2 Prozent ein klares Muster. Die vier Quartale des Postens ergeben zusammen die 156,8 Millionen Pfund des Jahres:
- Erstes Quartal: 37,2 Millionen Pfund, plus 11,0 Prozent. Der im eigenen Haus betriebene Onlineshop lief drei volle Monate, im selben Quartal des Vorjahres einen.
- Zweites Quartal: 41,3 Millionen Pfund, minus 1,9 Prozent.
- Drittes Quartal: 43,9 Millionen Pfund, plus 36,3 Prozent. Die Mitteilung begründet das mit stärkerem Geschäft im Zusammenhang mit der verbesserten sportlichen Leistung und mit einem Einmalertrag aus geänderten Konditionen des Onlinegeschäfts.
- Viertes Quartal: 34,4 Millionen Pfund, minus 7,0 Prozent.
Das dritte Quartal allein steuerte 11,7 der 11,9 Millionen Pfund Jahreswachstum bei. Die Mitteilung nennt die Höhe des Einmalertrags nicht. Deshalb lässt sich die um diesen Einmaleffekt bereinigte Wachstumsrate aus den öffentlichen Zahlen nicht ermitteln. Falls die Erlöse aus dem Vertrag mit Adidas in diesem Posten verbucht sind, waren sie in etwa gleich (rund 86 gegenüber 88 Millionen Pfund), und das Wachstum stammte aus dem Rest des Postens.
Geografie: Keiner der beiden Vereine gliedert die Erlöse nach Märkten
Keiner der beiden Vereine sagt, wo sein Merchandising verkauft wird. Dortmunds Bericht hält nur fest, dass die Umsatzerlöse vorwiegend im Inland erzielt wurden, und nennt als internationale Schwerpunkte die USA, wo 2025 die Klub-WM stattfand, und Asien mit einer Japan-Tour im Juli und August 2026. Uniteds Jahresbericht sagt, dass alle Erlöse aus der Haupttätigkeit im Vereinigten Königreich stammen. Das beschreibt, wo das Geschäft betrieben wird, und sagt nichts darüber, wo die Kunden sitzen.
Was sich mitnehmen lässt
Fünf Fragen vor jedem Vergleich von Vereinszahlen:
- Welcher Wettbewerb hat gezahlt? Tabellenplatz, europäische Spiele und Pokalläufe werden unterschiedlich vergütet, und die Klub-WM fiel für Dortmund in zwei Geschäftsjahre.
- Was enthält der jeweilige Posten? Dortmunds Merchandising umfasst Fanartikel und Lizenzen, der Ausrüstervertrag wird bei den Werbeerlösen verbucht; Uniteds gebündelter Posten scheint die Zahlungen des Ausrüsters zu enthalten.
- Wie viele Monate wurde in beiden Vergleichszeiträumen verkauft? Ein Shop mit einem Verkaufsmonat in einem Jahr und drei Verkaufsmonaten im nächsten verändert den Vergleich, bevor ein einziger Fan etwas kauft.
- Gibt es einen Einmaleffekt in der Zahl, und wie groß ist er? Bei United erklären Einmalkosten den größten Teil der Verbesserung des Betriebsergebnisses.
- Haben sich Menge oder Preis bewegt, und was liegt unter dem Betriebsergebnis? Dortmund verkaufte mehr und verdiente weniger. Uniteds Betriebsergebnis verbesserte sich, während der Nettofinanzaufwand den Verlust vergrößerte.
Zwei Vereine in einem Jahr sind keine Stichprobe für eine ganze Liga. Sie zeigen aber, was zu prüfen ist, bevor Sie die Zahlen zweier Vereine oder zweier Jahre nebeneinanderstellen.
Bei Am Ball entwickeln wir lizenzierte Sammlerstücke und Merchandise und verantworten die Produktion. Deshalb lesen wir solche Zahlen genau. Wenn Sie Ihre eigenen Merchandising-Zahlen prüfen und dafür ein zweites Paar Augen möchten, schreiben Sie an eg@amball.com.
Weiterlesen: Bundesliga-Merchandising 2026: Wer macht es am besten? und Der Markt für lizenzierte Sportartikel 2026: Eine Bestandsaufnahme.
Quellen und Methode
- Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA, Jahresfinanzbericht 2025/26 (PDF, 28. September 2026): Saison und Ergebnis auf den Seiten 8, 33 und 54; Werbung und Ausrüster auf Seite 55; Merchandising auf Seite 56; Wareneinsatz auf Seite 59; Vorräte auf den Seiten 63 und 157; Mitglieder auf Seite 53; internationale Aktivitäten auf Seite 87; Ausblick auf den Seiten 93 und 97; Tochtergesellschaften auf den Seiten 132 und 133; Erlösrealisierung auf Seite 143.
- Manchester United plc, Quartalsmitteilungen zum Geschäftsjahr 2026 (englisch, alle ungeprüft): erstes Quartal (11. Dezember 2025), zweites Quartal (25. Februar 2026), drittes Quartal (27. Mai 2026), viertes Quartal und Gesamtjahr (23. September 2026; zugleich Quelle für Tabellenplatz, Heimspiele, Gewinn aus Spielerverkäufen, Einmalkosten und Finanzaufwand). Manchester United plc, Form 20-F für das Jahr bis 30. Juni 2026 (englisch; Umsatzanhang mit der Aufteilung der Medienerlöse und den zwei kommerziellen Posten, Kundenanhang mit dem Anteil von Adidas am Umsatz, Aussage zur Geografie).
- Deloitte, Football Money League 2026 (englisch, 22. Januar 2026).
- Eigene Berechnungen aus berichteten Zahlen: Rückgang des Merchandising-Umsatzes bei Dortmund (3,4 Prozent), Anstieg des Wareneinsatzes (15 Prozent), Wachstum der Werbeerlöse (2,8 Prozent) und der Mitgliederzahl (5,8 Prozent); Anteil des Merchandisings am Umsatz in Dortmund (8,4 Prozent) und Anteil des Retail-Postens am Umsatz bei United (23,1 Prozent); der Anteil von 28,4 Millionen Pfund an der Verbesserung des Betriebsergebnisses; die Veränderungen der Medienerlöse aus nationalen und europäischen Wettbewerben (58,9 und 25,0 Millionen Pfund); der Anteil von Adidas am Retail-Posten (mehr als die Hälfte) und der Rest (rund 71 Millionen Pfund, etwa 10 Prozent des Umsatzes). Alle übrigen Zahlen sind berichtet.
