In diesem Artikel
- Dieser Herbst: Eigentümer ordnen ihre Rollen neu
- Was die UEFA zählt: neun nordamerikanische Übernahmen pro Jahr
- Drei Arten amerikanischen Kapitals, drei Zeitpläne
- Wohin das Geld fließt
- Zwei Zählungen, zwei Antworten
- Fragen, wenn ein Klub den Eigentümer wechselt
- Quellen und Methode
In diesem Herbst sorgten vor allem amerikanische Eigentümer für Schlagzeilen, weil sie ihre Rolle neu ordneten. Chelseas Mehrheitseigner kündigte an, zwei seiner Mitinvestoren auszukaufen, und der Eigentümer des FC Everton erklärte sich offen für den Verkauf der Mehrheit am Klub. Für sich genommen sieht das aus, als zögen sich Amerikaner zurück. Die Übernahmestatistik der UEFA zeigt etwas anderes: Investoren aus Nordamerika haben in jedem der letzten drei Jahre gleich viele Erstligaklubs übernommen, während europäische Käufer seltener zugriffen. Kaufen und Verkaufen gehören bei diesem Kapital zusammen, und es ist nicht eine einzige Art Geld: Fonds, Unternehmen in Privatbesitz und Multi-Club-Netzwerke folgen jeweils eigenen Zeitplänen.
Dieser Herbst: Eigentümer ordnen ihre Rollen neu
Im September gab Chelsea bekannt, dass verbundene Gesellschaften von Clearlake Capital die Anteile von Todd Boehly und Mark Walter übernehmen und damit die volle Kontrolle erhalten. Die Beteiligungsgesellschaft ist seit 2022 Mehrheitseigner des Klubs. Hansjörg Wyss bleibt Teil der Eigentümergruppe. Laut Pressemitteilung ändern sich das Tagesgeschäft, die Führung und die Strategie des Klubs nicht. Finanzielle Bedingungen wurden nicht veröffentlicht. Käufer und Verkäufer sind Amerikaner, der Klub bleibt also in amerikanischer Hand.
Im Oktober teilte die Friedkin Group, die texanische Gesellschaft, die den Kauf des FC Everton im Dezember 2024 abgeschlossen hatte, mit, sie prüfe neue Investitionsmöglichkeiten für den Klub, darunter auch den möglichen Verkauf einer Mehrheitsbeteiligung. Zunächst sei es um Stabilität und die Fertigstellung des neuen Stadions gegangen; nun sei der richtige Zeitpunkt für den nächsten Abschnitt. Der Gruppe gehört außerdem die AS Rom.
Keiner der beiden Fälle ist ein abgeschlossener Verkauf an neue Eigentümer. Im einen baut ein Eigentümer seine Position aus, im anderen beginnt ein Eigentümer einen Verkaufsprozess.
Was die UEFA zählt: neun nordamerikanische Übernahmen pro Jahr
Der UEFA-Bericht „Das Finanz- und Investitionsumfeld im europäischen Klubfußball“, erschienen im Februar 2026, zählt jedes Jahr die abgeschlossenen Übernahmen von Erstligaklubs in Europa. Die Zahl erreichte 2022 nach einer Kaufwelle während der Pandemie mit 48 ihren Höchststand und ist seitdem auf 31 im Jahr 2024 und 29 im Jahr 2025 gesunken.
Erst die Aufteilung nach Käufern zeigt das eigentliche Bild. Europäische Investoren kamen 2022 auf 36 Übernahmen, 2025 auf 19. Investoren aus Nordamerika übernahmen 2022 elf Klubs und danach 2023, 2024 und 2025 jeweils neun. Ein oder zwei Übernahmen pro Jahr gingen auf Käufer aus anderen Regionen zurück. Der amerikanische Anteil an den Übernahmen von Erstligaklubs stieg damit von rund 23 auf 31 Prozent (eigene Berechnung), ohne dass die Zahl amerikanischer Übernahmen zunahm. Wenn die UEFA schreibt, ein Drittel aller Übernahmen 2025 sei auf nordamerikanische Investoren entfallen, steckt dahinter dieselbe Zahl von neun, gemessen an einer kleineren Gesamtzahl.
Die neun Übernahmen von 2025 sind in der UEFA-Zeitleiste mit US-Flagge markiert: Hellas Verona, FC Livingston, Glasgow Rangers, FC Moreirense, Crystal Palace, AC Le Havre, FC Larne, Espanyol Barcelona und Atlético Madrid. Sieben Länder, von Nordirland bis Spanien.
Die UEFA erklärt den Rückgang vor allem mit Angebot und Preis. Der Bericht nennt ein knappes Angebot, hohe Bewertungen und höhere Renditeerwartungen. Weil attraktive Mehrheitsbeteiligungen an Erstligaklubs knapp seien, fließe mehr Geld in Klubs der zweithöchsten Spielklasse und in Minderheitsbeteiligungen. Über alle Spielklassen gezählt, meldet die UEFA für 2025 einen deutlichen Anstieg der Investitionen gegenüber 2024.
Drei Arten amerikanischen Kapitals, drei Zeitpläne
„US-Investoren“ klingt nach einer einzigen Gruppe. Die Definitionen des Berichts teilen sie in mindestens drei, und jede folgt einem anderen Zeitplan.
Die erste sind Finanzinvestoren im engen Sinn: Private Equity, Wagniskapital und Private Debt. Die UEFA zählt 38 der 96 Klubs in den fünf größten Ligen, an denen solche Geldgeber beteiligt sind oder die von ihnen finanziert werden, rund 40 Prozent. Sie listet außerdem neue Sportfonds auf, die innerhalb von etwa 14 Monaten angekündigt wurden; nach Angaben der Fonds liegen die meisten zwischen einer und sechs Milliarden US-Dollar. Das typische Vorgehen beschreibt der Bericht nüchtern: Fonds investieren über Fremd- oder Eigenkapital in Klubs und Ligen, wobei sie „in der Regel einen Ausstieg nach fünf bis zehn Jahren anstreben“.
Die zweite sind Unternehmen in Privatbesitz und vermögende Einzelpersonen. Die UEFA-Zahl zum privaten Kapital lässt Einzelpersonen, Family Offices und Unternehmen außen vor. Eine Gruppe in Privatbesitz wie die Eigentümerin von Everton und der AS Rom gehört nach dieser Definition nicht zu den 38, obwohl sie amerikanisch ist. Solche Eigentümer haben keine Fondslaufzeit, deshalb ist ihr Zeitplan von außen schwerer zu lesen. Die Mitteilung zu Everton nennt die eigenen Gründe des Eigentümers, und die handeln von Stabilität und vom Stadion, nicht von einer Frist. Mit Everton und der AS Rom gehört dieselbe Gruppe zugleich zur dritten Art.
Die dritte sind Multi-Club-Netzwerke, in denen ein Eigentümer an mehreren Klubs beteiligt ist. Die UEFA zählt weltweit 345 Klubs in solchen Strukturen, vor zehn Jahren waren es weniger als 60. Von den Investorengruppen mit mindestens einem europäischen Klub stammen laut UEFA 50 aus den USA. In Europa sind 122 Erstligaklubs (16 Prozent) über Beteiligungen mit mindestens einem anderen Klub verbunden. Auch der Weg in diese Netzwerke ändert sich: Minderheitsbeteiligungen machten 2023 in den UEFA-Ländern 25 Prozent der Multi-Club-Transaktionen aus, 2025 mehr als ein Drittel.
Mit diesen Kategorien lassen sich die Nachrichten dieses Herbstes erklären, ohne dass von Rückzug die Rede sein muss. Ein Mehrheitseigner, der seine Partner auskauft, besitzt danach mehr vom Klub, nicht weniger. Ein privater Eigentümer, der nach der Fertigstellung des Stadions einen Verkaufsprozess beginnt, nennt eigene Gründe und keine Fondsfrist. Ein Zeichen dafür, dass weniger Amerikaner kaufen, ist keiner der beiden Fälle. Genau das misst die Zählung der UEFA, und sie liegt seit 2023 bei neun.
Wohin das Geld fließt
Das Kapital verteilt sich ungleich, und die Gründe sind vor allem Regeln und Preise. In England sind an zwölf der 20 Premier-League-Klubs Finanzinvestoren beteiligt, mehr als die Hälfte. In Spanien sind es neun, in Frankreich und Italien je acht. In Deutschland ist es ein einziger Klub, und der Bericht führt das auf die 50+1-Regel der Bundesliga zurück. Die Regel sichert dem Mutterverein die Stimmenmehrheit; nach Darstellung der UEFA hält die begrenzte Kontrolle einige Investoren von einem Engagement ab.
Multi-Club-Netzwerke reichen über die fünf großen Ligen hinaus. Die UEFA nennt Belgien, Dänemark, Portugal, Schottland und die Schweiz als Ligen, in denen mehr als ein Drittel der Erstligaklubs zu einem solchen Netzwerk gehört.
Zwei Zählungen, zwei Antworten
Wie groß der amerikanische Anteil ist, hängt davon ab, wer zählt und was. Die 29 Übernahmen der UEFA sind abgeschlossene Übernahmen von Erstligaklubs im Kalenderjahr 2025; an neun davon waren US-Investoren beteiligt. Football Benchmark, ein Datendienst, erfasste von Januar bis Oktober 2025 insgesamt 76 Übernahmen in allen Spielklassen des europäischen Fußballs und ordnete 28 davon US-Investoren zu. Der Dienst gab diese 28 als 51 Prozent aller grenzüberschreitenden Übernahmen an; gemessen an allen 76 sind es rund 37 Prozent (eigene Berechnung). Die beiden Zählungen messen Verschiedenes, und eine Schlagzeile über „amerikanische Dominanz“ kann je nach Bezugsgröße von einem Drittel bis zur Hälfte reichen.
Fragen, wenn ein Klub den Eigentümer wechselt
- Welche Art Eigentümer ist es? Ein Fonds, eine Gruppe in Privatbesitz und ein Multi-Club-Netzwerk folgen verschiedenen Zeitplänen; Fonds planen laut UEFA in der Regel einen Ausstieg nach fünf bis zehn Jahren.
- Geht es um Kontrolle oder um einen Anteil? Minderheitsbeteiligungen, Private Debt und strukturiertes Eigenkapital haben zugenommen, während vollständige Übernahmen seltener wurden. Sie bringen Investoren eine Rendite, ohne dass sie das Sagen haben.
- Welche Zählung steht hinter der Schlagzeile? Übernahmen, alle Investitionen und grenzüberschreitende Übernahmen ergeben für dasselbe Jahr verschiedene amerikanische Anteile.
- Was erlauben die Regeln der Liga? Die UEFA führt den einen deutschen Klub mit Finanzinvestor, gegenüber zwölf in England, auf die 50+1-Regel zurück.
- Wer bestimmt nach dem Wechsel das kommerzielle Geschäft? Oft beantworten das die Pressemitteilungen selbst; bei Chelsea heißt es, Tagesgeschäft, Führung und Strategie blieben unverändert.
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Quellen und Methode
- UEFA, Das Finanz- und Investitionsumfeld im europäischen Klubfußball 2025 (Februar 2026; englische Fassung „The European Club Finance and Investment Landscape“), Kapitel 5, Investitionen. Marktlage und Minderheitsbeteiligungen auf Seite 66; Verbindungen zu privatem Kapital nach Ligen, der Hinweis auf die 50+1-Regel, die Übersicht neuer Sportfonds und der Ausstieg nach fünf bis zehn Jahren auf Seite 69; Übernahmen nach Jahr und Herkunft der Käufer, die Zeitleiste 2025 mit der Herkunft der neuen Eigentümer und die Investitionen über alle Spielklassen auf Seite 70; Zahlen zu Netzwerken mit mehreren Klubs auf den Seiten 66 und 71; Definitionen in den Fußnoten 77 (privates Kapital ohne Einzelpersonen, Family Offices und Unternehmen), 78 (Fonds-Summen nach Angaben der Fonds, von der UEFA nicht geprüft), 80 (nur abgeschlossene Übernahmen, Daten per Dezember 2025) und 81 (Gruppen mit mindestens einem europäischen Klub).
- Chelsea FC, Chelsea FC announces ownership transition (17. September 2026, englisch).
- Mitteilung von The Friedkin Group zu Everton (9. Oktober 2026), zitiert von der Nachrichtenagentur AP: Everton up for sale after US owner says it is exploring investment options (englisch). Kaufdatum und die Beteiligung an der AS Rom stammen aus demselben Bericht.
- Football Benchmark, European football M&A in 2025: fewer mega deals, broader global reach (30. Oktober 2025, englisch; erfasst Januar bis Oktober 2025).
- Eigene Berechnungen aus veröffentlichten Zahlen: der nordamerikanische Anteil an den Übernahmen von Erstligaklubs (11 von 48 im Jahr 2022, rund 23 Prozent; 9 von 29 im Jahr 2025, 31 Prozent); der US-Anteil an allen 76 Übernahmen bei Football Benchmark (28 von 76, rund 37 Prozent); die Zahl der Länder bei den neun US-Übernahmen 2025, abgelesen an den Flaggen der UEFA-Zeitleiste. Die 51 Prozent sind die Angabe von Football Benchmark, bezogen auf grenzüberschreitende Übernahmen. Die Übernahmereihe der UEFA fasst Investoren aus Nordamerika zusammen (2022 bis 2024); für 2025 nennt sie zusätzlich die Zahl der US-Übernahmen, neun, gleich dem nordamerikanischen Wert. Die UEFA nennt den Anteil der Big-5-Klubs mit Verbindungen zu privatem Kapital „mehr als 40 %“; 38 von 96 sind 39,6 Prozent, daher schreiben wir rund 40 Prozent. Einige Summen der deutschen Fassung des Berichts weichen von der englischen ab (41 Klubs mit Verbindungen zu privatem Kapital, 123 Investitionen in Europa); wir verwenden die Zahlen der englischen Fassung, deren Teilwerte in den Grafiken die genannten Summen ergeben. Alle übrigen Zahlen wie veröffentlicht.
